Altai- Sibirien – ein wunderbares Russland

Hoch über den Jurten, hoch wie ziehende Kraniche schwammen zarte, rauchblaue Wolken; Schafherden ergossen sich in breitem ruhigem Strom über die Hügel, ein Wasserfall stürzte vom Felsen herab und blendete die Augen mit seinen weißen Schaumfetzen.

 

Tschingis Aitmatov

Wir sind fast da - an der mongolischen Grenze. Im Altai, dem Gebirge das China, Kasachstan, Russland und die Mongolei verbindet stehen wir an einem tosenden Bergfluss. Eine uralte Brücke, von den eisigen Wintern gezeichnet, führt hinüber. Etwas marode und für MANni vielleicht zu schwach. Aber schön in ihrer silbergrauen Gestalt und von den Jahren gebeugt.

Altai – bisher ein Begriff für mich ohne Emotion ohne zu wissen was sich dahinter verbirgt. Ein Begriff aus dem Kreuzworträtsel.   Sibirien – meine Vorstellung von morastigen Birkenwäldern, feucht, kalt und mit Millionen von Mücken.

Nein, alles ist anders – das Altaigebirge ist ein ganz anderes Sibirien. Flüsse, Bäche, Seen. Mal wie das Allgäu, mal wie in Kanada. Touristisch vorsichtig erschlossen und Platz geschaffen für den Menschen um in der Natur anzukommen.

Es ist abends 21:30 Uhr – langsam wird es dunkel. Rainer und ich telefonieren mit zuhause. Überall riechen die Kräuter wie in einem Kräuterladen. Fast aufdringlich wollen die Pflanzen wahrgenommen werden. Die Fliegen und Mücken bleiben aus – zu kalt -, denn hier in den Bergen hat es gerade noch 16 Grad. Am anderen Flussufer zelten Menschen  und machen gerade ein Lagerfeuer an. Ein guter Platz für Angler. Der Himmel treibt Wolken über die Berge und zwischendrin zeigen sich die ersten Sterne. Es ist Dämmerung. Etwas später, vielleicht in einer halben  Stunde, haben wir wieder einen Sternenhimmel der ist so rein, dass man glauben könnte es sei einzigartig auf der Welt.  Die Milchstraße zum Greifen. Nur in der Steppe und Wüste in Kasachstan war dieser Sternenhimmel so nahe.

Um uns herum wird es still, nur das Getöse vom Fluss dringt ins Fahrzeug. Auf der naheliegenden Straße fahren nur noch vereinzelt Fahrzeuge. Rainer spült ab und wir werden noch im Fahrzeug aufräumen. Wir wollen morgen bereits um 5:00 Uhr weiter. Wir freuen uns darauf in der morgendlichen Stimmung mit einer Tasse Kaffee loszuziehen - in Richtung Mongolei.

Um uns herum in den dichten Wäldern streunen vielleicht Wölfe und Bären. Schildern weisen auf die Gefahren immer wieder hin. Sibirische Bären sollen gar nicht nett zu Touristen sein. Trotzdem hätte ich irgendwie das Verlangen mal Einen zu sehen. Kommt ja vielleicht noch, denn auch die West-Mongolei liegt im Altai. 

Zur Zeit haben wir Neumond. Draußen ist es inzwischen stockdunkel. Bis auf die Sterne die jetzt deutlich zu sehen sind. Noch einmal raus vors Fahrzeug mit einem Eimer heißen Wassers für die Füße – fast profan in dieser Stimmung. In diesen Momenten fühle ich, dass mein Alltag mit dieser atemberaubenden Welt um mich herum verschmilzt. Ich bin da, angekommen in dieser traumhaften Natur.

Ich gehe jetzt – hoffentlich frisst mich der Bär nicht beim Füße waschen – das wäre dann unfair, ich könnte ja nicht weglaufen.

Wir haben zwei Tage Zwangspause - Die russische und die mongolische Grenze ist geschlossen - wegen dem Nadaamfest. Wir fahren wieder zurück zum Fluss und breiten uns aus. Säubern das Fahrzeug, kleine Reparaturen,  Fischen, Wäsche waschen, dösen, lesen, diskutieren! Zunächst waren wir etwas sauer, dass wir nun nicht weiterkamen, dann aber spürten wir, dass uns die Pause wirklich gut tat. Leider sollte es, wie es sich später zeigt, nicht die letzte Zwangspause werden.

 

 

Zwischendurch gibt es Mittagessen aus dem Tiefkühlfach: Lasagne aus Deutschland mit Kopierter russischer Anleitung. Lasagne aus Offenburg!

Wir tauschen ein Riegele Radler gegen ein Fischessen - leider waren meine Angelkünste nicht von Erfolg gekrönt.

Wir Fahren zurück zur Grenze und finden uns gleich unter vielen Gleichgesinnten. Manche waren schon vor drei Tagen hier und hatten nur zwei Tage Pause. Typisch für die Region sind die heftigen und schnellen Unwetter und das sofortige wieder Aufklaren des Himmels.

Letzter Blick zurück auf das russische Altai
Letzter Blick zurück auf das russische Altai

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Kommentare: 1
  • #1

    Elisabeth (Dienstag, 16 Juli 2013 10:23)

    Das sieht ja schöön aus! Ich könnt´ noch viel mehr Bilder anschauen. Hat die Brücke jetzt standgehalten oder seid ihr außenrum? Liebe Grüße und noch ne schöne Zeit! Rainer, ich denk ganz viel an dich und hatte zeitweise auch schlaflose Nächte. Genieß die Zeit und komm heil heim.

Für die nächsten Wochen unser zuhause. Anne freundet sich schneller damit an als ich dachte und die Reise kann beginnen. Wir fahren zunächst in ein Termalbad nördlichen von Pretoria um dann zügig weiter zu fahren zur Namibischen Grenze.
Für die nächsten Wochen unser zuhause. Anne freundet sich schneller damit an als ich dachte und die Reise kann beginnen. Wir fahren zunächst in ein Termalbad nördlichen von Pretoria um dann zügig weiter zu fahren zur Namibischen Grenze.