Die Steppe Kaschstans - Beyneu - 5300 km nach Start und etwa 350 km zur Usbekischen Grenze

Wir waren seit Volgograd ohne Internetverbindung. Inzwischen sind drei Tage vergangen. 

Nachdem wir vergebens versucht hatten, ohne Allrad und Umwege den von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge 1999 errichteten Soldatenfriedhof zu erreichen, sind wir nun über eine mächtige Brücke über die Wolga in den asiatischen Teil Russlands eingefahren. Was anfangs von uns wie eine glorreicher Erfolg des ersten bedeutenden Etappenziels gefeiert wurde, entpuppte sich schon kurz nach der ersten Rast als wahrer Horrortrip. Quadrillionen kleinster Mücken fallen über uns her. Durch das Hochwasser der Wolga sind viele Landstriche unter Wasser, was die Bilder zum Teil auch sehr schön, aus Sicht der Natur, darstellen. Jedoch verbunden mit diesen hunderten Quadratkilometern Wasserflächen, sind diese Brutstätten wolgaischer Mücken, welche in jede Körperöffnung einzudringen versuchen und am Abend, wenn diese dann erschöpft nachlassen durch ein ebenso großes Heer an Moskitos mit höchster Stech-Aggressivität erstetzt werden. Liebe Leser, es ist nicht zu beschreiben, wie es sich anfühlt von Mücken dieser Menge angefallen zu werden. Eine Nacht im Reisemobil mit allen Moskitovernichtungswaffen die uns zur Verfügung gestanden haben - ein Kampf bis zur Erschöpfung. Welch eine Glückseligkeit - so Rüdiger - war meine Klimaanlage. Bei geschlossenem Fenster und überhitztem Wohmobil war diese ein wahrer Segen. Oft wurde ich wegen dieser luxuriösen Anschaffung der Klimaanlage getadelt. In dieser Nacht hätten mir alle meine Kritiker die Füße ge ....! So sie dabei gewesen wären und gelitten hätten.

 

Wir haben überlebt. Was soll ich sagen: wir kamen zur Grenze nach Kasachstan wo selbst die Zöllner mit Moskitohüten ausgestatten waren. Alles lief wie von selbst. Die Grenzer waren sogar so freundlich uns vorzuziehen und die Abfertigung zu beschleunigen. Wahrscheinlich konnten sie noch unsere schmerzverzerrten und zerstochenen Körper wahrnehmen und hatten Erbarmen uns nicht noch länger warten zu lassen. 

Nicht einmal der Zollkontrolleur wollte das Fahrzeug inspizieren.  Er war nur fasziniert von Rüdigers Moskitowunderwaffe. Einer Art Tennisschläger, der mit kleinen Batterien Hochspannung.

an der Schlagfäche erzeugt und jeden damit gefangenen Moskito gnadenlos elektrisch hinrichtet.

Nicht einmal eine gültige KFZ Versicherung wurde von uns eingefordert. Alle waren nur froh, uns ins "geheiligte Kasachstan" einreisen zu lassen. 

Oft sind es stundelange Fahrten die aber unglaublich schnell vergehen. Wir wechseln zweimal am Tag ab und ehe wir uns umschauen ist der Tag gefüllt von so vielen Eindrücken und Erlebnissen, dass er schon wieder vorüber ist.

Wir sind jetzt in der dritten Zeitzone, das heist, dass wir unsere Uhr schon um drei Stunden vorgestellt haben. Und während Ihr liebe Leser noch tief schlaft, stehen wir schon auf und kochen Kaffee.

Gelegentlich müssen wir unserem Fahrzeug MANni auch einen Service angedeihen lassen. Kundendienst am Fahrzeug wie Ölcheck oder Abschmieren der Antriebsgelenke und Kardanwellen findet natürlich am Strassenrand statt. 

Wir sind der Hölle des Wolga-Deltas entronnen.

Die erste mückenfrei Nacht war das Glück und der Genuss auf Erden. Zuvor vom REAL aus Volgograd frisch gebraten eingekauft - ein Hähnchen! Jeder der mich kennt weiss, dass ich gelegentlich auf diesen kulinarischen Genuss stehe. Frisch in unserem Gasbackofen aufgebraten war das ein Festessen. 

Die ersten Erdölfelder in Kasachstan.

Unendlich lange Güterzüge

Ein Rastplatz am Rande unserer Strecke. Tankstellen und Cafés werden immer seltener. Der Verkehr hat abgenommen, nur gelegentlich kommt ein Reisender vorbei.

 

Ein islamischer Friedhof - mitten in der Steppe. Die Verstorbenen werden nicht tief begraben. sie werden etwa zur Hälfte in den Sand gelegt, den Rest des Körpers verdeckt ein einfacher Holzschutz. So trocknet der Körper rasch im Wind und in der Sonne aus und mumifiziert. Um diesen Körper wird dann eine Grabstätte errichtet.

Sommer. Die Bäume werfen Schatten, und auf den Wiesen blühen, ungestüm die Blumen. Geschäftig werden die Sommerlager aufgeschlagen, und in der Steppe ist das Gras so hoch, dass die Rücken der Pferde kaum zu sehen sind.    Abaj Kunanbajev

Dürfte ich mir aussuchen ein Tier zu sein, wäre ich gerne ein Adler oder ein Pferd in der Kasachischen Steppe. Die nachfolgenden Bilder zeigen die unendliche Weite dieser Steppe. Kamele, Ziegen, Kühe und Pferde scheinen sich fast artverwandt zusammenzufinden und gehen gemeinsam auf Futtersuche. Gebrandmarkt, aber frei leben sie im Überfluss der Gräser, des Wassers und der Weite. (Horst)

Die Steppe wird zunehmens sandiger und weniger fruchtbar. Die Strassen, trotz Hauptadern der Versorgung, verlieren sich in Offroad-Pistenstrukturen.

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Kommentare: 1
  • #1

    DERH (Sonntag, 09 Juni 2013 09:51)

    wolltet Ihr nicht gestern an dem kleinen Bach stehen bleiben?
    Auf alle Fälle sind wir mit unseren Fahrzeugen gestern zum Stadtgespräch geworden.

    GeU, Katrin und derH